Beziehungen

Social Hack: So steht Dir nichts mehr im Weg: 3 Strategien, wie Du die Macht des Umfelds für Dich und Deine Ziele nutzt.

Kennst Du das auch? Du hast ein Ziel oder eine Aufgabe, weißt auch, was Du tun musst, um loszulegen, hast vielleicht schon einen Plan gemacht und trotzdem fehlt Dir ein Schubs, um wirklich anzufangen? 

Oder kennst Du vielleicht gerade das nicht? Hast nämlich gerade kein richtiges Ziel im Leben, sondern fühlst Dich uninspiriert und uninspirierend. Aber weißt auch nicht, wo Du ansetzen kannst? Der Gedanke, etwas Grundlegendes zu ändern, macht Dir Angst?

Das Phänomen, was Dir helfen kann:

Soziale Ansteckung – oder social contagion–  bezeichnet das Phänomen, dass sich Stimmungen, Gefühle, Einstellungen und Verhalten auf andere Menschen übertragen können wie bei einer Krankheit. Forschung zur sozialen Ansteckung fokussiert sich entweder auf emotionale Ansteckung (die Verbreitung von Stimmungen und Gefühlen) oder Verhaltensansteckung (die Verbreitung von Verhaltensweisen). Ein sehr bekanntes und ziemlich dramatisches Beispiel für Verhaltensansteckung ist der massive Anstieg der Selbstmordraten nach der Publikation von Johann Wolfgang von Goethes Roman „Die Leiden des jungen Werther“. 

 Wie alle Phänomene der Sozialpsychologie – also der Bereich der Psychologie, der den Einfluss der Gegenwart anderer Menschen auf das Individuum untersucht – ist die soziale Ansteckung ein äußerst machtvolles Phänomen. Es wäre eine Verschwendung, wenn Du es nicht für Dich nutzen würdest!

Ein persönliches Beispiel: Vor zwei Jahren war ich sehr traurig. Ich befand mich mitten in der Trennung von meinem damaligen Freund und in der größten Krise meines bisherigen Lebens, musste eine wichtige und zukunftsweisende Entscheidung treffen, fühlte mich mit allem überfordert und völlig entscheidungsunfähig. Ich fühlte mich zuhause unwohl, auf der Arbeit gestresst, hatte das Gefühl, nicht mehr wirklich zur Ruhe zu kommen. Oft musste ich plötzlich einfach weinen. Es half mir nicht mehr, mit Freunden und Familie zu sprechen, es war schon alles gesagt. Ich hatte das Gefühl, mich im Kreis zu drehen und wollte auch eigentlich gar nicht mehr darüber sprechen, niemanden mehr damit belasten.

Relativ früh am Morgen an einem Sonntag Anfang April – ich weiß gar nicht mehr, wie es kam – fuhr ich mit dem Fahrrad. Vielleicht fuhr ich tatsächlich ziellos umher, vielleicht nicht – das ist auch unerheblich. Fakt ist: Plötzlich fand ich mich in einer Villengegend wieder. Hohe, weiße Altbauten erhoben sich nebeneinander. Ich erinnere mich, wie ich den scharfen Kontrast zwischen dem makellosen Weiß der Gebäude und dem morgendlichen Blau des Himmels wahrnahm. Ich bemerkte die für eine Großstadt untypische Ruhe, man hörte eine Amsel singen. Ich schaute mir das Haus, was mir am nächsten stand, genauer an. Es zeigte die für Bauten aus der Gründerzeit typische Stuckverzierung, welche sanfte Schatten an die Hauswände warf. Der großzügige Balkon war mit einer Sitzgarnitur versehen, ein Sonnenschirm war aufgespannt, und man konnte sehen, dass der Tisch für ein Frühstück gedeckt war. Ein älterer Mann saß dort und las die Zeitung. Eine Frau kam heraus, eine Porzellankanne in der Hand. Als ich mir das ansah, bemerkte ich, wie plötzlich eine Ruhe über mich gekommen war. Ich hatte etwas entdeckt, was ich wollte. Seit sehr langer Zeit wollte ich wieder etwas. Das war ein unglaublich schönes und warmes Gefühl, was mich fast ein wenig erschrak. Ich hatte gar nicht bemerkt, dass ich die ganze Zeit zuvor nur damit beschäftigt gewesen war, was ich nicht will: Dass ich die Entscheidung nicht treffen will, dass ich die Konsequenzen nicht tragen will, dass ich nicht traurig sein will… Nun stand ich dort, angesteckt von der ruhigen Zufriedenheit dieser beiden Menschen, die in dieser wunderschönen Umgebung ihr Frühstück genießen. Und plötzlich wusste ich, dass ich das auch wollte. Ich wollte in einem solchen Haus wohnen und auf einem solchen Balkon frühstücken, wenn ich auch nichts Anderes wusste in dem Moment – das wusste ich. Da es das Erste war, was ich seit langem wollte, folgte ich dem Impuls und zog drei Monate später in eine kleine Wohnung in dem Viertel. 

Psychologische Forschungsarbeiten weisen darauf hin, dass unser Verhalten und unsere Gesundheit stark durch unser Umfeld beeinflusst wird: Eine amerikanische Forschergruppekonnte zum Beispiel zeigen, dass eine Umsiedlung von Menschen mit geringem Einkommen in eine Nachbarschaft mit besserem Einkommen zur Folge hatte, dass es zu einer Reduktion an extremem Übergewicht und Diabetes kam und das subjektive Wohlbefinden der umgesiedelten Menschen stieg. 

Was heißt das nun für Dich? Musst Du nun umziehen? Nein, keinesfalls. Ich möchte Dir damit etwas Anderes sagen: Oftmals machen wir es uns zu schwer. Wir versuchen, unter brachialer Anstrengung etwas in uns zu ändern, um uns dann ändern zu können, um unser Leben ändern zu können. Aber oftmals gibt es so viele Hilfsmöglichkeiten und Katalysatoren in unserer Umgebung. Es muss nicht alles aus uns heraus passieren. Als soziale Wesen können, dürfen und – wie ich finde – sollten wir die Macht, die unser Umfeld auf uns ausüben kann auch als Hilfe für innere Veränderungsprozesse nutzen. 

Drei Wege, um Dein Umfeld zu nutzen:

1. Nutze Dein bestehendes soziales Umfeld strategisch. 

Die Menschen, mit denen Du Dich umgibst, beeinflussen Dich extrem. Jeder Deiner Freunde, jedes Familienmitglied übt einen anderen Einfluss auf Dich aus. Vielleicht magst Du Deine Freunde alle ungefähr gleich gern. Dennoch ist das Gefühl, was Du nach einem Treffen mit Person A hast, niemals dasselbe wie nach einem Treffen mit Person B. Nach manchen Treffen bist Du voller Energie und Inspiration, nach manchen Treffen bist Du vielleicht eher erschöpft. Das kann ganz unterschiedliche Gründe haben, ist an sich auch weder gut noch schlecht. Wenn es jedoch darum geht, mehr Motivation zu bekommen oder den eigenen Weg zu finden, dann ist das etwas, was Du gezielt einsetzen kannst und solltest. Bill Gates – laut Forbes-Liste der reichste Mann der Welt – empfiehlt hierzu Folgendes: 

„Umgib Dich mit Menschen, Die Dich intellektuell herausfordern, die Dich motivieren oder von denen Du etwas lernst damit Du zur besten Version Deiner selbst wirst.“

2. Erweitere Dein Netzwerk. 

Hierzu hat sich ein Weg besonders bewährt: Die Aktivierung alter, aber interessanter Kontakte. Hast Du eine ehemalige Mitschülerin, einen ehemaligen Kommilitonen, zu denen der Kontakt entweder eingeschlafen ist oder zu denen Du vielleicht auch noch nie so viel Kontakt hattest, die Dich aber irgendwie immer interessiert haben? Bei Instagram folgst Du ihnen und sie scheinen ein interessantes Leben zu haben…oder eine Freundin hat vielleicht von ihnen erzählt. Tritt mit diesen Menschen in Kontakt. Frage nach einem Treffen zum Kaffeetrinken oder einem Telefonat. Die meisten Menschen freuen sich über Interesse. Stell ihnen Fragen. Interessiere Dich für ihr Leben. Die Wahrscheinlichkeit, dass Dich das Treffen inspirieren wird, ist sehr hoch. 

Bei der Erweiterung Deines Netzwerks darfst Du sehr wählerisch sein. Du suchst nach inspirierenden Menschen, es geht nicht grundsätzlich um die Suche nach neuen Freunden. 

3. Geh spazieren. 

Ein 50-minütiger Spaziergang erhöht erwiesenermaßen die Fähigkeit, sich auf schwierige Aufgaben fokussieren zu können2 und erhöht Deine Kreativität3. Du musst nicht direkt mit Menschen interagieren, um den positiven Einfluss des Phänomens der sozialen Ansteckung genießen zu können. Geh in eine Umgebung, die Dich inspiriert. Eine Umgebung, in der Du Dir selber wünschst, später zu leben. Vielleicht wählst die Dämmerung als Tageszeit für Deinen Spaziergang aus. Dann kannst Du im Vorbeigehen in die Fenster der Häuser schauen, kannst erahnen, was die Leute tun, schnappst etwas von der Stimmung auf. Die besten Ideen, die motiviertesten Momente hatte ich nach solchen Spaziergängen.

Erlaube Dir, auszuprobieren, wie Du Dein Umfeld nutzen kannst, um zur besten Version Deiner selbst zu werden. Es mag trivial klingen, aber: 

“How can you be inspired if you do not surround yourself with the things that inspire you?” 

E.A. Bucchianeri

Literatur

[1] Ludwig, J., Sanbonmatsu, L., Gennetian, L., Adam, E., Duncan, G. J., Katz, L. F., … & McDade, T. W. (2011). Neighborhoods, obesity, and diabetes—a randomized social experiment. New England journal of medicine365(16), 1509-1519.

[2] Berman, M. G., Jonides, J., & Kaplan, S. (2008). The cognitive benefits of interacting with nature. Psychological science19(12), 1207-1212.

[3] Oppezzo, M., & Schwartz, D. L. (2014). Give your ideas some legs: The positive effect of walking on creative thinking. Journal of experimental psychology: learning, memory, and cognition40(4), 1142.

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