Werte

Erfolgreiche und glückliche Personen: Wie Deine Persönlichkeit Deinen Erfolg im Leben beeinflusst und 5 Tipps, wie Du das besser nutzen kannst.

“Very little is needed to make a happy life; it is all within yourself, in your way of thinking.”

Marcus Aurelius Antoninus

Glücklich sein – jeden Tag, egal ob Montag oder Freitag, Sommer oder Winter, mit voller Freude und Motivation aufstehen. Erfolgreich sein – den Tag mit den Dingen zu verbringen, die Dir liegen, tun können, was Du möchtest wann Du es möchtest. Anerkannt zu werden, Möglichkeiten haben, Spaß haben, Sinn fühlen.  Wer wünscht sich das nicht? 

Wie zeigt sich denn Glück und Erfolg im Leben konkret? 

Wie das genau aussehen soll, da scheiden sich die Geister ein wenig. Abhängig von der Erfüllung unserer psychologischen Grundbedürfnisse (lies hierzu unseren Blogartikel zu den Grundbedürfnissen) sucht der Eine vielleicht mehr nach Anerkennung und Ansehen, während der Andere den Erfolg eher in Sicherheit und Kontrolle findet.

Obwohl die genaue Bedeutung eines guten und erfolgreichen Lebens von Person zu Person etwas abweichen kann, gibt es doch grundlegende Faktoren, die – sofern sie erfüllt sind – dazu beitragen, dass wir unser Leben als glücklich und erfolgreich bewerten: 

Wie zeigt sich ein glückliches und erfolgreiches Leben? Im Sozio-ökonomischen Panel, einer der größten und repräsentativsten Langzeitstudien in Deutschland, werden fünf Fragen gestellt:

  1. Wie zufrieden bist Du mit Deinem Leben? 
  2. Wie zufrieden bist Du mit Deiner Arbeit?
  3. Wie viel verdienst Du brutto?
  4. Wie viele Jahre bist Du insgesamt zur Schule gegangen/in Ausbildung/ im Studium gewesen?
  5. Wie gesund fühlst Du Dich?

Je höher Du eine Frage auf einer Skala von 0 (gar nicht, wenig) bis 5 (sehr, viel) beantworten würdest, desto glücklicher – wird angenommen – bist Du. 

Wie beeinflusst Deine Persönlichkeit Deinen Erfolg? 

Das heutzutage am häufigsten genutzte System zur Beschreibung unterschiedlicher Persönlichkeiten ist das Konzept der „Big Five“1. Vielleicht hast Du schon davon gehört? Die Big-Five beschreiben Persönlichkeiten auf einem Kontinuum anhand dieser fünf Merkmale: 

  1. Verträglichkeit
  2. Extraversion
  3. Offenheit für Erfahrungen
  4. Gewissenhaftigkeit
  5. Emotionale Stabilität

Wenn man sich erfolgreiche und glückliche Personen anschaut – Personen also, die hohe Werte bei der Beantwortung der fünf oberen Fragen erreichen würden, – so zeigt sich, dass diese Personen oftmals ähnliche Persönlichkeitseigenschaften aufweisen. 

Bevor wir darauf zu sprechen kommen, lass uns die Eigenschaften erst einmal einzeln durchgehen und schauen, wie sich jede einzelne Eigenschaft auf Erfolg und Lebensglück auswirken kann. 

Wie wirkt sich Verträglichkeit auf Deinen Erfolg und Dein Glück aus?

Verträgliche Menschen zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich oftmals kooperativ verhalten, mitfühlend sind, eher bescheiden daherkommen und um das Wohl anderer Menschen bemüht sind2

Interessanterweise verdienen verträgliche Menschen durchschnittlich weniger als ihre nicht so verträglichen Mitmenschen3. Woran liegt das? Nun, verträgliche Menschen – und vielleicht gehörst Du ja auch dazu? – gehen Konflikten lieber aus dem Weg. Besonders wichtig ist es ihnen, den Meinungen anderer nicht zu widersprechen. Das führt natürlich dazu, dass sie weniger Gehalt fordern, weniger ihre Ideen und Wünsche durchsetzen, und dementsprechend auch weniger verdienen. Führungspersönlichkeiten zeigen in der Regel geringe Werte im Bereich der Verträglichkeit.

Wie wirkt sich Extraversion auf Deinen Erfolg und Dein Glück aus?

Extraversion beschreibt Deine Tendenz, Dich nach außen zu orientieren. Extravertierte Menschen knüpfen schnell soziale Kontakte, reden mehr und gehen eher aus sich heraus. Für bestimmte Berufe, zum Beispiel in der Politik oder im Verkauf, ist das wichtig2

Das Ausmaß an Extraversion gibt einen Hinweis darauf, in welchen Bereichen man beruflich glücklicher und erfolgreicher wird. Es sagt aber interessanterweise fast nichts über die Erfolgswahrscheinlichkeit insgesamt aus. Will sagen: Introvertierte und Extravertierte können gleichsam erfolgreich sein – nur vielleicht nicht im selben Beruf. 

Das ist umso interessanter, da viele introvertierte Menschen ihre Introversion als Defizit auffassen. Timon und Melina Royer zeigen in ihrem Online-Magazin „Vanilla-Mind: Still und stark!“, wie introvertierte Menschen dieses Gefühl überwinden können – definitiv einen Blick wert.

Wie wirkt sich Offenheit auf Deinen Erfolg und Dein Glück aus?

Offenheit bezieht sich auf Kreativität, geistige Beweglichkeit und Neugier. Offene Menschen neigen dazu, neue Ansätze in Betracht zu ziehen, stellen die Dinge öfter in Frage und bilden sich gerne weiter. 

Je offener eine Person ist, desto länger verbringt sie durchschnittlich in der Ausbildung. Oft wird noch ein Studium drangehängt oder promoviert. Oder es gibt Ausbildungen in unterschiedlichen Fächern. So kommt es, dass offene Menschen höhere Bildungsabschlüsse besitzen als vorsichtigere und uninteressiertere Mitmenschen3. Da höhere Bildung ein Indikator für Glück und Erfolg ist, schneiden offene Menschen hier besser ab. 

Wie wirkt sich Gewissenhaftigkeit auf Deinen Erfolg und Dein Glück aus?

Bist Du gut organisiert, ordentlich, zuverlässig und ehrgeizig? Arbeitest Du sorgfältig und fällt es Dir leicht, Deinen Fokus und Deine Konzentration auf eine Sache zu richten und beizubehalten? Dann bist Du eine gewissenhafte Person. In Sachen Erfolg sieht es sehr gut für Dich aus! Gewissenhaftigkeit ist die Persönlichkeitseigenschaft mit der größten Auswirkung auf die Karriere4.

Selbstdisziplin – eine Facette von Gewissenhaftigkeit – ist mit hohem Einkommen verbunden. Kompetenz und Leistungsstreben – zwei weitere Facetten –  sind verbunden mit höherer Jobzufriedenheit. 

Wie wirkt sich emotionale Stabilität auf Deinen Erfolg und Dein Glück aus?

Wie empfindlich bist Du für Reize? Wie stark erfährst Du Deine Gefühle? Bringen Dich Dinge leicht aus der Fassung? Emotional stabile Menschen sind unempfindlich, belastbar, beherrscht und stressresistent – wie ein Fels in der Brandung. Emotional sensiblere Menschen sind ängstlich, besorgt, pessimistisch, leicht verletzlich und emotional. 

Diese Persönlichkeitseigenschaft sagt viel über die Lebenszufriedenheit, also die Antwort auf Frage 1 aus dem Sozio-ökonomischen Panel aus: Menschen mit hoher emotionaler Stabilität sind zufriedener3. Dies hat den Grund, dass sie belastbarer sind und die Fähigkeit besitzen, nach Krisen oder Niederlagen nicht aufzugeben. 

Fünf Tipps, wie Du diese Erkenntnisse nutzen kannst, um glücklicher und erfolgreicher zu werden!

Das Brisante beim Sprechen über Persönlichkeitseigenschaften und deren Auswirkungen liegt für mich immer in der Gefahr, dass bei Dir ankommt: Aha, daher können die anderen das und daher kann ich das nicht. Da ist die Erklärung, so ist das, und das lässt sich nicht ändern. 

Genau das ist falsch!

Mir ist ganz wichtig, dass Du verstehst, warum das nicht stimmt!

Es stimmt nicht, weil Deine Persönlichkeit dynamisch ist, also veränderlich. Zwar sind die Big Five relativ stabil über die Lebenszeit, aber nicht starr und komplett unveränderlich5. Persönlichkeitseigenschaften können sich durch Erfahrungen verändern. So werden zum Beispiel die meisten Menschen im Alter zwischen 15 und 30 Jahren verträglicher, emotional stabiler, extravertierter und verantwortungsbewusster5. Erfahrungen im Berufskontext spielen ebenfalls eine große Rolle: So kann zum Beispiel die emotionale Stabilität steigen, wenn man gut verdient, einen Job mit einem höheren Status hat oder einfach einen Job, der einem gut gefällt5.

Außerdem ist es möglich, Verhaltensweisen, die zu einem erfolgreichen Resultat führen, zu trainieren – auch wenn diese Verhaltensweisen nicht der Grundpersönlichkeit entsprechen. Du hast sicher auch schon einmal Impulse zurückgehalten und ein anderes, erwünschteres Verhalten gezeigt, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, richtig?

Erster Tipp: Trainiere die charmante Unverträglichkeit!

“Charm is a way of getting the answer yes without asking a clear question.”

Albert Camus, The Fall, 1956

Wenn Du eine eher verträgliche Person bist, wird Dir unverträgliches Verhalten zu Beginn Bauchschmerzen bereiten. Es entspricht Dir einfach nicht. Eine Prise Unverträglichkeit, hier mal ein Nein, dort mal ein bisschen Durchsetzungsvermögen, all dies ist aber wichtig, um Deine Ziele verfolgen zu können und nicht zum Spielball anderer zu werden. Die gute Nachricht ist: Das geht durchaus auf charmante Art und Weise und lässt sich super trainieren. Zunächst einmal solltest Du trainieren, Dich nicht in jeder Situation von Deiner Verträglichkeit überrumpeln zu lassen. Denn gerade diese spontanen Situationen (jemand bürdet Dir eine zusätzliche Aufgabe auf, Dein Chef bringt ein unfaires Argument) sind es, die sich nachteilig für Dich auswirken können. Deine Verträglichkeit drängt Dich dazu, es den anderen recht zu machen. Du solltest diesen Impuls kontrollieren können. Das geht zum Beispiel dadurch, dass Du Dir bewusst Zeit zum Antworten nimmst (Gesprächspausen, die dann entstehen, kommen Dir zwar lang vor, dem anderen aber meistens viel weniger) oder durch antrainierte „Puffersätze“, die Dir Zeit verschaffen, sodass Du Dich sortieren kannst und Dich auf die ungewohnte Unverträglichkeit vorbereiten kannst (z.B. „Ich schau in meinen Terminkalender und melde mich dann bei Dir.“). Charmant wird Deine Reaktion in dem Moment, wo Du sie mit positivem Affekt verknüpfst. Wenn Du zum Beispiel Deine Aussage mit einem Lächeln kombinierst oder den Kopf leicht zur Seite legst, dann sendest Du auf der nonverbalen Ebene Signale, die Dein Gegenüber dazu veranlassen, sich Dir zuzuwenden und Dich zu mögen. So gelingt es Dir, unverträgliche Aussagen besser, erfolgreicher und angenehmer zu transportieren.

Zweiter Tipp: Öffne den Blick!

“Always hear others out and remain open-minded; the day you think you know everything is the day you have the most yet to learn.” 

A.J. Darkholme, Rise of the Morningstar 

Um erfolgreich und glücklich zu sein, ist es wichtig, einen offenen Geist zu behalten. Warum? Nun, eins ist gewiss im Leben: Veränderung. Mit einer offenen Einstellung gelingt es Dir besser, mit Veränderung zurechtzukommen und das Gute in ihr zu sehen. Also versuche, Deinen Horizont zu erweitern. Schau über den Tellerrand. Unterhalte Dich mit Menschen, die einen anderen Hintergrund und Erfahrungsschatz haben. Verurteile nicht zu schnell, sondern versuche, Beweggründe zu verstehen. Stelle Fragen. Lies Bücher. Hör Podcasts. Beginn ein neues Hobby. All das hilft Dir, flexibler zu werden und erhöht Deine Wahrscheinlichkeit auf ein glückliches und erfolgreiches Leben.

Dritter Tipp: Schärfe den Fokus!

“Concentrate all your thoughts upon the work at hand. The sun’s rays do not burn until brought to a focus.”

Alexander Graham Bell

Fokus gehört zur Selbstdisziplin und das wiederum ist zentral für beruflichen Erfolg. Die beste Strategie, um Deinen Fokus zu schärfen, ist meiner Meinung nach die Bindung an und Motivation für Dein Ziel. Mach Dir klar, warum Du Dich auf diese Sache fokussieren möchtest. Warum möchtest Du diese Aufgabe erledigen? Was steckt dahinter? Gibt es Dir die Möglichkeit, mehr zu verdienen? Gibt es Dir mehr Lob und Anerkennung? Gibt es Dir die Möglichkeit, Dich selbstständig zu machen? Wenn das Motiv stark genug ist, fällt Dir der Fokus wesentlich leichter. Versuch das Ziel bzw. die Aufgabe, die Du erledigen musst, in Deinem Kopf so attraktiv wie möglich aussehen zu lassen. Mal Dir aus, wozu es führen wird, wenn Du die Aufgabe schnell und gut erledigst. Mal das Bild in den buntesten Farben, verkauf es Dir selber. Oftmals fokussieren wir uns nämlich im Alltag eher auf die Dinge, die uns stören und die wir vermeiden wollen. Durch die innere „Aufhübschung“ Deines Ziels schaffst Du es, eine positive Annäherungsmotivation zu schaffen und die ist sehr, sehr viel motivierender. 

Vierter Tipp: Bau an der Stabilität!

“Being a positive person doesn’t mean you don’t feel negative emotions. It means you have faith in your ability to get through tough situations, hope for better days and the willingness to see beyond the drama.” 

Leticia Rae

Wie kannst Du weniger stark und weniger negativ auf die Dinge reagieren, die Dir passieren? Indem Du dafür sorgst, dass Dir viele positive Dinge passieren.

Durch Erfolge – und seien sie auch noch so klein – wächst Dein Selbstvertrauen mit der Konsequenz, dass Deine emotionale Stabilität gefestigt wird3. Daher such in Deinem Alltag aktiv nach kleinen Erfolgen. Ich wette, Du bist sehr gut darin, die kleinen Misserfolge zu finden. Aber Du musst fair sein: Wo Schatten ist, muss auch Licht sein. Du solltest Dir auch die Chance geben, die kleinen Erfolge zu sehen. Falls Dir absolut nichts Positives einfällt, versuch es mit der Frage „Was hat diesen Tag davon abgehalten, ein schlechter Tag zu werden?“. 

Fünfter Tipp: Sieh Deine Persönlichkeitsstruktur als Bestandsaufnahme, nicht als Zukunftsorakel!

“You can’t go back and change the beginning, but you can start where you are and change the ending.” 

C. S. Lewis

Sobald Du das Gefühl hast, das seine Persönlichkeitseigenschaft dazu führen wird, dass Du dies und jenes sowieso nicht erreichen kannst, hast Du verloren. Ein Prozess wird in Gang gesetzt, der sich „Selbsterfüllende Prophezeiung“ nennt. Du verhältst Dich auf eine bestimmte Art und Weise, die dazu führt, dass das, was Du denkst, wahr wird. Persönlichkeit hat zwar einen angeborenen, erblichen Anteil, der ungefähr bei 50 Prozent liegt6. Der Rest wird aber durch das geformt, was Du täglich tust. Jeden Tag verändern Deine Erfahrungen Deine Persönlichkeit ein kleines bisschen. Daher kann es theoretisch sein, dass Du Deinem jetzigen Ich in 10 Jahren so wenig ähnelst wie Du nun einem Freund ähnlich bist.

Je mehr Du Dich und Deine jetzige Persönlichkeit und Lebenssituation als dynamisch auffasst, desto eher bist Du in der Lage, Dinge zum Besseren zu verändern und flexibel auf Lebensumstände zu reagieren. Es ist Deine Entscheidung, ob Du Dein Leben damit verbringen möchtest, Erklärungen zu suchen, warum die Dinge nicht gut laufen, oder Möglichkeiten zu suchen, damit sie besser laufen können. 

Literatur

[1] McCrae, R. R. & Costa, P. T. (1987). Validation of the five-factor model of personality across instruments and observers. Journal of Personality and Social Psychology, 52, 81 – 90

[2]Fehr, T. (2006). Big Five: die fünf grundlegenden Dimensionen der Persönlichkeit und ihre 30 Facetten. Persönlichkeitsmodelle und Persönlichkeitstests15, 113-135.

[3] Ewers, M. (2016). Vertrauen und emotionale Stabilität als Determinanten von Erfolg und Lebenszufriedenheit. IW-Trends-Vierteljahresschrift zur empirischen Wirtschaftsforschung43(2), 75-89.

[4] Hagmann-von Arx, P., Gygi, J. T., Weidmann, R., & Grob, A. (2016). Testing relations of crystallized and fluid intelligence and the incremental predictive validity of conscientiousness and its facets on career success in a small sample of German and Swiss workers. Frontiers in psychology7, 500.

[5] Roberts, B. W., Caspi, A., & Moffitt, T. E. (2003). Work experiences and personality development in young adulthood. Journal of personality and social psychology84(3), 582-593.

[6] Verweij, K. J., Zietsch, B. P., Medland, S. E., Gordon, S. D., Benyamin, B., Nyholt, D. R., … & Henders, A. K. (2010). A genome-wide association study of Cloninger’s temperament scales: implications for the evolutionary genetics of personality. Biological psychology85(2), 306-317.

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