Interview

Die Tischlerin

Im Interview

Die Tischlerin

Lena spricht über den Arbeitsalltag als einzige Frau im Betrieb. Sie erzählt, warum sie erst durch

Umwege auf den Tischlerberuf aufmerksam geworden ist, und führt uns durch die unterschiedlichen

Arbeitsbereiche zwischen Werkstatt und Baustelle.

About

Über Lena

Sie ist die einzige Frau in dem kleinen Tischlereibetrieb.  Und eigentlich wollte Lena ursprünglich gar nicht Tischlerin werden, sondern Architektur oder Innenarchitektur studieren. Doch als sie sich bei einem Architekten und einem Innenarchitekten nach dem Weg in den Beruf erkundigte, wurde ihr nahegelegt, doch zunächst eine handwerkliche Ausbildung zu absolvieren. 

„Man kann nicht sagen, dass ich zwei linke Hände habe. Außerdem kann ich gut anpacken und  mein Vater und mein Partner kommen auch aus dem Handwerk. Daher habe ich mich mit dem Vorschlag schnell angefreundet“, so Lena.  Was zunächst als erster Schritt vor einem aufbauenden Studium geplant war, gefiel ihr dann so gut, dass sie derzeit nicht plant, den Beruf zu verlassen – im Gegenteil. Aktuell ist Lena dabei, ihren Meister zu machen und besucht dafür neben ihrem Arbeitsalltag dreimal pro Woche die Abendschule.

Ich habe Lena zum Interview getroffen, um mit ihr über die oft verkannte Vielseitigkeit des Tischlerberufes und ihren Arbeitsalltag in einer männerdominierten Branche zu sprechen.

Reingezoomt

Ein Arbeitstag

„Mein Tag beginnt um 7 Uhr. Entweder bin ich in der Werkstatt, fahre mit Kollegen zu einer Baustelle oder ich bin auf Reperaturfahrten unterwegs. 

An Werkstatttagen fahre ich zunächst die Maschinen hoch, warte diese gegebenenfalls. Dann muss ich Schnittlisten für Möbelstücke anfertigen, Programme für die Werkzeugmaschine schreiben, die Teile zuschneiden und das Möbelstück anschließend zusammenbauen. Es macht total Spaß, aus diesen riesigen Platten Möbelstücke herzustellen!

Bei den Reperaturfahrten fahren wir teilweise durchs gesamte Ruhrgebiet und kümmern uns um Reparaturen in Privathaushalten oder bei Geschäftskunden wie der Drogeriekette dm. In der Regel endet der Arbeitstag um 15:30 Uhr. Wenn ich auf Baustellen bin und wir einen festen Zeitplan haben, kann der Feierabend sich aber auch ordentlich nach hinten verschieben.“

"Erfolg besteht für mich aus den kleinen Dingen. Wenn ich selbst merke, dass ich einen Fortschritt gemacht habe, ist das Erfolg. "

Lena

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Work-Life-Balance

„Momentan gelingt es mir durch die Abendschule nicht so gut, Arbeit und Privatleben komplett auszugleichen. Prinzipiell ist es aber machbar, dass sich beides die Balance hält. Ob man die Zeit dann aktiv verbringt oder sich einfach ins Bett legt – das ist etwas sehr Individuelles. Ich persönlich verbringe meine Freizeit gerne im Fitnessstudio. Außerdem haben ich und mein Partner es uns zur Gewohnheit gemacht, einmal pro Woche wirklich auszugehen, zum Beispiel essen oder ins Kino.“ 

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Das Thema Traumberuf

„Irgendwie schon. Es gibt so viele Berufsbilder und man sollte sich da informieren und vor allem viel in der Praxis ausprobieren. Lieber ein Praktikum mehr als eines zu wenig. Glück gehört natürlich auch dazu. Ich hatte definitiv Glück, dass ich den Beruf gefunden habe.“

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Sollte man wissen, wo man in 10 Jahren stehen möchte?

„Ein fester Plan ist vermutlich nicht realisierbar. Aber man sollte eine grobe Richtung haben, in die man sich entwickeln möchte. Zum Beispiel kann man sich Gedanken machen, in welchem Sektor man langfristig arbeiten will. Als Tischlerin könnte ich mich zum Beispiel fragen, ob ich vornehmlich Ladenbau machen möchte oder vielleicht nur Treppen gestalten möchte. Ich sollte mich auch fragen, ob ich den Meister oder den Techniker oder vielleicht sogar ein Studium machen möchte.“

"Das schönste Lob habe ich einmal von einem zunächst skeptischen Kunden bekommen. Ich konnte ihn dann mit meiner Arbeit so zufriedenstellen, dass er hinterher explizit mich für den Folgeauftrag eingespannt hat. Das gibt einem gerade als Frau total Bestätigung in dem, was man tut."
Lena

Tischlerin

Der Job

Wie wird man Tischlerin?

Um den Tischlerberuf ausüben zu könne, durchläuft man eine klassische duale Ausbildung, die parallel in Berufsschule und Ausbildungsbetrieb stattfindet. Die besten Chancen hat man, wenn man mindestens einen mittleren Bildungsabschluss vorweisen kann. Möchte man den Meister machen, so kann man entweder in Vollzeit für ein Jahr zur Meisterschule gehen. Oder man kann es auch – wie ich – in Teilzeit machen. Dann dauert es etwas länger, man kann aber währenddessen im Betrieb weiterarbeiten. 

Wie sind die Verdienstmöglichkeiten?

Besser als man denkt. Wir bekommen Stundenlohn und im zweiten Gesellenjahr bekomme ich 16,15 Euro pro Stunde. Überstunden können wir uns auszahlen lassen, als Urlaub abfeiern oder Material für den Eigengebrauch davon bestellen. Als Altmeister bekommt man 27 Euro pro Stunde. Das sind knapp 4.000 Euro brutto pro Monat. 

Welche Stressoren bringt Dein Beruf mit sich?

  • Überstunden
  • Zeitdruck
  • Komplikationen auf der Baustelle mit anderen Gewerken
  • Es kann auch herausfordernd sei, neben der eigentlichen Arbeit den Auszubildenden gerecht zu werden. Da ist manchmal auch meine Geduld erschöpft.

Welche Glücksmomente gibt es?

Glückliche Kunden sind ein absolutes Highlight. Gerade wenn man ein Möbelstück in allen Phasen begleitet hat, freut man sich besonders über positives Feedback.  Außerdem macht es mich froh, wenn ich Lösungen für schwierige Situationen finde oder Prozesse optimieren kann. Das gibt Selbstvertrauen und Selbstbestätigung.

Welche Eigenschaften sollte man als Tischlerin haben?

  • Widerstandsfähigkeit
  • Kritikfähigkeit
  • Ein gewisses körperliches Potential /Stärke
  • Teamfähigkeit
  • Ehrgeiz
  • Kreativität und räumliches Vorstellungsvermögen

Denkanstöße

Lena zeichnet ein Bild von einem vielseitigen und abwechslungsreichen Berufsbild, welches sowohl handwerkliches Geschick und konzentrierte Arbeit beinhaltet als auch persönlichen Kundenkontakt. „Viele denken, dass Tischler nur Möbelstücke bauen. Das greift aber viel zu kurz“, so Lena. 

Lena hat mich inspiriert, weil sie zeigt, dass man den eigenen Traumberuf auf Umwegen finden kann und dass es auch etwas ganz anderes sein kann als zunächst angenommen. Wichtig finde ich auch Lenas Betonung von Praxiserfahrung. Wenn sie nicht in den Tischlerberuf im Rahmen eines Praktikums hinein geschnuppert hätte, wäre sie vielleicht nie diesen Weg gegangen.

Und letztlich fand ich Lenas Haltung zu ihrer Rolle als Frau in einer Branche mit sehr geringem Frauenanteil sehr positiv und konstruktiv. „Mit den Männern in meinem Betrieb ist es super entspannt. Ich kann denen alles sagen und bin da komplett offen. Die Akzeptanz und der Respekt sind groß. Klar kommen auch mal Sprüche, aber damit komm ich super klar. Insgesamt fühle ich mich sehr wohl, denn ich schätze es sehr, dass die Kommunikation mit den Männern so geradeheraus und direkt ist. “ 

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Hier erfährst Du mehr über Lena!

Kennst Du schon das Interview mit der Brandmeisterin Emily? Ähnlich wie Lena ist Emily die einzige Frau in ihrem Arbeitsumfeld. Wie geht sie damit um? 

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