Interview

Die Schauspielerin

Im Interview

Die Schauspielerin

Laura Ehrich spricht über ihren kurvigen Weg zum Traumberuf Schauspielerin, über die Allgegenwärtigkeit von Selbstzweifeln und die Wichtigkeit von Einsatz und Mut.

Foto @ Urban Ruths

Laura Ehrich

Über Laura

Zum Schauspiel kam sie über einige Umwege. Zwar hat Laura in der Schule bereits mit Begeisterung Theater gespielt, hat jedoch als Teenager zunächst angefangen als Model zu arbeiten. Am meisten Spaß haben ihr dabei die Jobs gemacht, bei denen sie in unterschiedliche Rollen schlüpfen, Emotionen darstellen und kreativ sein durfte. Durch diese Erkenntnis hat sie mit Mitte 20 angefangen, die Fühler nach Möglichkeiten zum Schauspielern auszustrecken und auf diese Weise bei Studentenproduktionen und Kurzfilmen mitgewirkt, Tagesrollen bei Serien und Werbejobs angenommen. Irgendwann fiel dann die Entscheidung, die Schauspielausbildung zu machen. „Nach der Schauspielausbildung habe ich dann kurz noch Theater gemacht, nun aber gar nicht mehr. Aktuell bin ich hauptsächlich vor der Kamera, mache Werbung, Film, Fernsehen und bin sehr glücklich damit.“

Ich traf Laura zum Interview um mit ihr über einen der vielleicht aufregendsten und umkämpftesten Berufe zu sprechen.

Reingezoomt

Ein Arbeitstag

„Jeder Tag ist ein bisschen anders. Wenn ich nicht drehe, bin ich zuhause und mache administrative Tätigkeiten. Ich beantworte Mails, bringe mein Demoband auf den neuesten Stand, wähle Bilder aus, suche mir Workshops aus oder bereite Text für Projekte, Workshops oder Castings vor.

Dann gibt es die Tage, an denen ich am Set bin. An solchen Tagen gibt es neben dem Dreh nichts anderes. Ich bin dann extrem fokussiert, wie im Tunnel. Davor und danach ist kein Platz für Administratives oder auch Freunde treffen. Drehtage sind zwar sehr anspruchsvoll, aber tun mir auch sehr gut. Nach einem Drehtag fühle ich mich leer auf eine positive Art. Das ist vergleichbar mit einer intensiven körperlichen Betätigung, nach der man sich wohl und zufrieden fühlt. 

Die meisten Tage ist man als Schauspielerin nicht vor der Kamera, es sei denn man ist bei einer täglichen Serie festangestellt. Bei mir machen die Drehtage ca. ein Elftel des Jahres aus.  

"Im Schauspiel wird man nicht privat, aber man wird sehr persönlich."

Laura Ehrich

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Work-Life-Balance

„Einerseits glaube ich nicht daran, dass man einen Job, den man nicht mag, durch viel Freizeit ausgleichen kann. Andererseits denke ich aber, dass man in jedem Beruf einen Ausgleich braucht, auch wenn man einen Beruf hat, den man über alles liebt. Denn jeder Beruf hat Aspekte, die anstrengend sind wie Steuern, Emails etc. Daher braucht es Ruhepausen, um sich davon zu erholen.“ 

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Das Thema Traumberuf

„Das Wichtige ist, dass man selbst glücklich ist. Für Glück sind unsere Bedürfnisse ausschlaggebend. Wenn ich ein hohes Sicherheitsbedürfnis habe, dann fühle ich mich als Bibliothekarin sehr gut. Für eine andere Person mit weniger ausgeprägtem Sicherheitsbedürfnis ist der Job vielleicht wie ein Gefängnis. Man sollte den Job finden, der einen ein glückliches Leben führen lässt und die eigenen Bedürfnisse erfüllt.“

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Sollte man wissen, wo man in 10 Jahren stehen möchte?

„Nein. Ich glaube, das Allerwichtigste ist es, im Moment zu leben – weder zu viel in der Vergangenheit noch in der Zukunft. Aber man sollte auf Sehnsüchte und Wünsche hören. Denn erst wenn man die Dinge in der Fantasie gefunden hat, kann man eine Richtung einschlagen.“

"Erfolg bedeutet für mich, die Dinge tun zu dürfen, die mir ein Gefühl von Weite und Erfüllung geben. Wenn Du nicht weißt, was Dir dieses Gefühl gibt, dann geh auf die Suche! "
Laura Ehrich

Schauspielerin

Der Job

Wie wird man Schauspielerin?

Es gibt eine Schauspielausbildung, die je nach Institut zwischen 3 und 4 Jahren dauert. Meist ist diese Ausbildung eher auf die Theaterausbildung fokussiert. Theater ist ein Handwerk, was man erlernen kann. Dazu gehört Stimmbildung, Körperarbeit, Atemtraining, Szenenarbeit und Persönlichkeitsentwicklung. Auch wenn man in der Ausbildung ein bisschen vom Film kennenlernt, geht es beim Film eher darum, wirklich am Set zu sein. Das ist eine Atmosphäre, die man nicht künstlich kreieren und die man daher in der Schauspielschule nicht lernen kann. 

Wie sind die Verdienstmöglichkeiten?

Es gibt für ausgebildete Schauspieler*innen eine Tarifgage, die bei 775 Euro pro Drehtag beginnt. Darüber hinaus ist alles möglich. Es ist natürlich ein Unterschied, ob man Lischen Müller oder Iris Berben besetzt. Die Verhandlungen führt man als Schauspieler*in nicht selbst. Entweder hat man, so wie ich, eine Schauspielagentur, die für einen verhandelt. In Absprache mit mir setzt meine Agentin die Gage fest in Abhängigkeit der Anzahl an Drehtagen, eventuellen Nachdrehs, Reisen zum Drehort und dem Ausmaß an erforderlicher Vorbereitung. Außerdem spielt es eine Rolle, ob ich mit der Produktion schon einmal gearbeitet habe, oder nicht. Wenn man keine private Agentur hat, ist man als entweder bei der Künstlervermittlung der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) oder arbeitet allein.

Welche Stressoren bringt Dein Beruf mit sich?

  • Selbstzweifel: Als Schauspielerin bist du sehr verletzlich, denn du bringst deine Persönlichkeit, deine Emotionen in die Rolle. Es ist dein Mund, der spricht, dein Körper, der sich bewegt. Wenn man dann abgelehnt wird, ist es schwer das nicht auf die eigene Person zu beziehen. Mit der Zeit wurde es für mich etwas leichter zu verstehen, dass es nicht um mich als Person geht, wenn jemand nicht mag, wie ich eine Rolle interpretiere.
  • Es ist ein überlaufenes Berufsbild. Wenn man daher nicht zu 100 % entschieden ist, diesen Job machen zu wollen, hat man keine Chance. Man muss nämlich die ganze Zeit dranbleiben, sich zur Verfügung stellen, muss sich selbst pflegen, Kontakte pflegen. Es ist kein Job zum Zurücklehnen.

Welche Glücksmomente gibt es?

Wenn ich für mich etwas erreicht habe. Wenn ich zum Beispiel eine Blockade überwinde und dann der Moment der Auflösung und Erlösung kommt und ich plötzlich die Rolle verstehe und mich ganz hineinstürzen kann, dann ist das das schönste Gefühl.

Außerdem schön ist die Intensitätsvielfalt. Man kann das Leben in all seinen Facetten leben, ohne irgendwelche Konsequenzen zu tragen, ohne jemandem wehzutun. Von größter Freude zu größter Trauer, von ekelhaftem zu heldenhaftem Verhalten – all diese Seiten von mir in eine Rolle hineintun zu können, ist erfüllend und bringt wahnsinnig viel Spaß. Ich lebe intensiver durch die Möglichkeit, alle Seiten, die zu mir gehören, nicht nur kennenzulernen und zu akzeptieren, sondern auch zu zelebrieren.

Welche Eigenschaften sollte man als Schauspielerin haben?

  • Mut: Das heißt nicht, dass man keine Angst haben darf, man muss aber den Mut haben, sich dieser Angst zu stellen.
  • Ein Interesse an Menschen, an Leben, an Situationen, an Konflikten, an Geschichten. Wenn man kein Interesse hat, Geschichten zu erzählen und zu verkörpern, ist man falsch.
  • Spielfreude: Man sollte sich selbst wie ein Instrument zur Verfügung stellen wollen.
  • Risikofreudigkeit: Das Sicherheitsbedürfnis sollte nicht so hoch sein, denn man hat es nie in der Hand, ob man besetzt wird oder nicht.

Denkanstöße

Selbstkenntnis – das war für mich die Quintessenz aus dem Gespräch mit Laura. Denn nur wer sich selbst kennt, ist in der Lage, eine Rolle mit echten und authentischen Emotionen zu füllen. Und das ist es – so Laura – was letztendlich Laientheater von echtem Schauspiel unterscheidet. 

Aber will man sich denn immer mit sich selbst auseinandersetzen? Laura hat dazu eine klare Haltung: „Durch die Schauspielerei habe ich die Angst verloren, ehrlich zu mir selbst zu sein. Ich traue mich nun, genau hinzuschauen und auch die Eigenschaften an mir, die nicht so toll sind, zu akzeptieren.“

„Erkenne Dich selbst“ ist eine vielzitierte Inschrift am Apollotempel von Delphi. Und ist es nicht letztendlich das Ziel eines jeden Menschen, sich in Gänze zu kennen und zu akzeptieren? Und daher habe ich dies als Fazit aus dem Interview mit Laura Ehrich mitgenommen: Vielleicht ist es für uns alle sinnvoll, ein bisschen Schauspielerei in den Alltag zu bringen, uns in neuen Rollen zu erleben, uns vor eine Kamera oder ein kleines Publikum zu wagen. Vielleicht ist das sinnvoll, denn auf Selbstkenntnis folgt Selbstakzeptanz und schließlich Selbstbewusstsein.

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Hier erfährst Du mehr über Laura!

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