Interview

Die Headhunterin: Zwischen Leistungsdruck und Flexibilität

Im interview

Die Headhunterin

Neeles Umgang mit Leistungsdruck und knackige Tipps für Dein nächstes Vorstellungsgespräch

Neele Riemann

Über Neele

Als Tochter einer Kinder- und Jugendpsychiaterin und eines Wirtschaftsinformatikers ist Neele gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester in der Hansestadt Lübeck aufgewachsen. Die Leidenschaft für „alles Lebendige“ entwickelte die heute 29-Jährige schon als kleines Mädchen. Nach einem Psychologiestudium mit Wirtschaftsschwerpunkt in Hamburg, Bremen und Melbourne stieg Neele mit 25 Jahren ins Berufsleben ein. Seit vier Jahren ist sie beim Hanseatischen Personalkontor als Headhunterin in der Auswahl von Fach- und Führungskräften tätig und hat dort innerhalb kürzester Zeit eine rasante Entwicklung hingelegt.

Hört sich soweit nach einem ambitionierten, gradlinigen Weg an. Doch das für mich Inspirierende an Neele ist ihre Vielseitigkeit, ihre Aktivität und ihre Neugier, die sich in ihrem bisherigen Lebensweg niederschlägt. Sei es als Surflehrerin, als Stewardess im Privatjetbereich oder als Hypnotherapie-Begeisterte – sie schafft es, sich beständig neue und interessante Dinge und Beschäftigungen in ihr Leben zu holen. 

Ich habe sie zum Interview getroffen, um mehr über ihre Definition von Erfolg, den Weg zum Traumberuf und den Umgang mit Stress im Berufsleben zu erfahren. 

Reingezoomt

Ein Arbeitstag

„Oftmals habe ich direkt um 8 Uhr ein Interview, da potentielle Kandidaten oft berufsbedingt nur zu den Randzeiten sprechen können. Außerdem sichte ich die neuesten Bewerbungen, rufe bei Kunden und Kandidaten an, schreibe Rechnungen und Stellenanzeigen. Vertrieb gehört auch dazu, denn es ist meine Aufgabe, einem Kandidaten den Job und einem Kunden den Kandidaten schmackhaft zu machen. Oft ist es auch Teil meines Jobs, die Wogen zwischen Kunden und Kandidaten zu glätten. 

Weiterhin betreibe ich Active Sourcing über LinkedIn oder Xing. Das bedeutet, dass ich aktiv auf die Suche nach potentiell geeigneten Menschen gehe. Das ist sehr zeitaufwändig. Oftmals laufen 10-12 Projekte parallel. Um ca. 18 Uhr ist Feierabend, allerdings habe ich oftmals in den Abendstunden doch noch Gespräche mit Kandidaten, da diese oft nur dann Zeit haben.“

"Erfolg bedeutet für mich in seiner Arbeit überdurchschnittlich gut zu sein und einen Mehrwert für andere zu liefern - unter Berücksichtigung der eigenen Werte und der Werte des Systems"

Neele Riemann

Berufsprofil Headhunterin

Der Job

Welche Stressoren bringt Dein Beruf mit?

Da ist einmal das Multitasking zu nennen. Außerdem wird sowohl eine hohe Qualität erwartet als auch eine mordsmäßige Geschwindigkeit meiner Arbeit. Die Ungeduld der Menschen nimmt zu und die Aufmerksamkeitsspanne wird geringer. Daher musste ich für mich selbst das richtige Verhältnis zwischen Qualität und Geschwindigkeit finden. Das war für mich als Perfektionistin nicht so leicht.

Welche Glücksmomente gibt es?

Es macht mich glücklich, wenn ich eine gute Passung zwischen Kunde und Kandidat hergestellt habe und ich spüre, wie dankbar die Menschen dann sind. 

Außerdem freue ich mich, wenn ich inspirierende Kunden oder auch Kandidaten kennenlerne. Manche brillieren mit Humor oder rhetorischen Fähigkeiten, interessanten Geschichten oder Erfolgen. Das gibt mir Energie. 

Welche Eigenschaften sollte man haben?

  • Interesse für Menschen
  • Gute Auffassungsgabe
  • Hohe Empathie
  • Ein sehr offenes, eher extravertiertes Wesen
  • hohe Gewissenhaftigkeit
  • Durchhaltevermögen, Belastbarkeit
  • Kunden- und Dienstleistungsorientierung
  • Optimismus und die Fähigkeit, positive Stimmung zu verbreiten

"Ich werde nach 21 Kennzahlen bewertet und das heruntergebrochen auf einen Monat, drei und sechs Monate. Das hat aber den Vorteil, dass ich komplett frei in meiner Arbeitsgestaltung bin."

Neele Riemann

Was denkst du über...

Work-Life-Balance

„Ich glaube schon, dass es wichtig ist, eine Balance zwischen Arbeit und Freizeit herzustellen. Das muss aber kein 50:50-Verhältnis sein. In exzellenten Zeiten kann man auch mal 100 % seiner Energie in die Arbeit stecken. Auf lange Sicht ist es aber schon wichtig, sein Lebensglück auf unterschiedlichen Bereichen aufzubauen.“

was denkst du über...

Das Thema "Traumberuf"

„Es ist ein absolutes Privileg zu wissen, was der eigene Traumberuf ist und das leben zu können. Ich bin dem schon sehr nah und weiß, dass das auch glücklichen Umständen geschuldet ist. Es kann aber auch absolut ok sein, eine Erwerbsarbeit auszuführen, mit der man sein Geld verdient, um dann in der Freizeit den Traum oder die eigene Leidenschaft zu leben.“

Was denkst du...

Sollte man wissen, wo man in zehn Jahren stehen möchte?

„Für mich wäre das nicht die richtige Strategie. Ich glaube, es ist viel wichtiger, sich anzuschauen, was einem grundsätzlich im Leben wichtig ist. Freiheit? Familie? Hobbys? Karriere? Dann kann man sich Ziele setzen und die auf drei Jahre herunterbrechen. Man kann sich auch die Frage stellen, was man am Ende seines Lebens umgesetzt haben möchte. Ebenso wichtig ist es aber, sich zu überlegen, was man nicht möchte.“

Fazit

Was Leistungsdruck und Performance angeht, ist der Beruf der Headhunterin wohl einer der härtesten. Der Katalog an Anforderungen ist lang – ebenso der Arbeitstag. Umso mehr hat es mich fasziniert, eine Person zu interviewen, bei der man spürt, dass sie für diesen Beruf brennt. Und das nicht nur des Geldes wegen.

Der Beruf passt so gut zu Neele, weil sie ehrgeizig und zielorientiert ist, aber gleichzeitig ein neugieriger Menschenfreund. Sie kann mit den Anforderungen als Headhunterin gut umgehen, da sie intrinsisch motiviert ist – also das ehrlichen Ziel hat, durch eine gute Passung Kunden und Kandidaten gleichermaßen zufrieden zu machen. Und sie ist eine Person, die ebenso mit der Freiheit in der Arbeitsgestaltung gut umgehen kann. 

Mir hat das Interview gezeigt, dass Berufsbelastung kein Maß ist, was ausschließlich anhand der Anforderungen des Berufs festzumachen ist. Viel wichtiger ist die Passung zwischen Mensch und Beruf und die Reflexionsfähigkeit des Menschen. Und reflexionsfähig ist Neele, denn auf die Frage, ob sie etwas bereut, antwortet sie: 

„Es ist eher so, dass ich durch die Dinge, von denen ich mich wieder abwenden musste, lerne anstatt sie zu bereuen. Im letzten Jahr hatte ich zum Beispiel den Wunsch zu promovieren. Die Reaktion meines Umfelds darauf hat mich aber sehr bestürzt. Die haben das so verstanden, dass man das als Frau braucht, um fachlich stärker wahrgenommen zu werden. Da habe ich mir an den Kopf gefasst. Ich habe schließlich von dem Promotionsthema Abstand genommen und mir vorgenommen, mich eher an den männlichen Rollenvorbildern zu orientieren und mit einer natürlichen Unbedarftheit an die Dinge heranzugehen.“

 

SOCIal media

Hier erfährst Du mehr über Neele Riemann.

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