Interview

Die Fotografin

Im Interview

Die Fotografin

Amelie spricht über ihre Leidenschaft zur Fotografie, die Entscheidung für die Selbstständigkeit und darüber, wie es ist, das Hobby zum Beruf zu machen.

About

Über Amelie

Amelie war achtzehn Jahren alt als sie ihre erste Spiegelreflexkamera geschenkt bekam und ihren ersten Fotokurs absolvierte. Daraufhin begann sie im Bekanntenkreis persönliche Feiern fotografisch zu begleiten. Und obwohl dieses Hobby Amelie seit ihrer Jugend begleitete, verfolgte sie zunächst einen ganz anderen beruflichen Weg: Der Plan war, Grundschullehrerin zu werden und nebenher auf Hobbybasis zu fotografieren. Sie begann also ein Lehramtsstudium.

Doch dann kam der Tag, als sie das erste Mal eine Hochzeit außerhalb des Familienkreises fotografierte. Woher Amelie den Mut dazu nahm weiß sie heute nicht genau. Es folgte ein Workshop bei einer erfolgreichen Hochzeitsfotografin. Den offiziellen Schritt in den Beruf wagte Amelie 2017, als sie das Lehramtstudium abbrach und die Ausbildung zur Fotografin begann.

Pünktlich mit der Corona-Pandemie startete sie in die Berufswelt – und war direkt betroffen vom pandemiebedingten massiven Rückgang an Aufträgen in dieser Zeit. Die kleine Zwangspause ermöglichte ihr, sich Gedanken zu machen und ihre Zeit in den Aufbau der Onlinepräsenz zu investrieren. Aktuell ist Amelie zu 30 % bei einem Fotografen angestellt und zudem selbstständig als Fotografin tätig. Im Interview berichtet sie über ihren abwechslungsreichen Arbeitsalltag in einem körperlich fordernden Beruf, der wie kaum ein anderer Einblicke in das Leben von Menschen liefert. 

Reingezoomt

Ein Arbeitstag

„Es gibt nicht den typischen Tag, daher beschreibe ich eine typische Woche. Die Fotografie – gerade die Arbeit als Hochzeitsfotografin – ist sehr saisonabhängig. Die Hauptsaison ist von April bis Oktober. In dieser Zeit verbringe ich viele Wochenenden auf Hochzeiten. Zum Beispiel bin ich für dieses Jahr schon für 22 Hochzeiten gebucht.

In einer typischen Woche begleite ich am Wochenende einen gesamten Hochzeitstag. Unter der Woche habe ich selbst im Schnitt noch drei weitere Shootings – oftmals Paare, Babybauch oder Familienbilder. Hinzu kommt meine 30% Anstellung bei dem Fotograf in meiner Nähe. Außerdem arbeite ich in regelmäßigen Abständen für Firmen und Magazine. 

Abgesehen von den Shootings gibt es allerdings auch viel Arbeit im Hintergrund. Man schreibt Rechnungen, aktualisiert die Homepage, pflegt die Instagramseite. Ein weiterer großer Baustein ist natürlich die Bildbearbeitung. In der Zeiteinteilung bin ich sehr flexibel und richte mich danach, wie produktiv ich mich gerade fühle.“

"Erfolg bedeutet für mich, mein Geld mit der Sache verdienen zu können, die ich liebe, und zusätzlich die Kunden glücklich zu machen."

Amelie

Was denkst du über ...

Work-Life-Balance

„Ich finde das Konzept grundsätzlich sinnvoll. Ich selbst bin aber noch nicht in der Balance. Eine Herausforderung ist, dass bei mir manchmal die Grenzen zwischen Privatem und Beruflichem verwischen. Ich versuche dem entgegenzuwirken, in dem ich bewusst Feierabend mache und mir vornehme zu einer von mir gesetzten Uhrzeit aufzuhören zu arbeiten. Außerdem wünsche ich mir für die Zukunft ein gesondertes Büro, idealerweise ein Coworking-Space, welches klar getrennt von meinen privaten Räumen ist. Dann wäre die Trennung von Beruflichem und Privatem auch leichter.“

Was denkst du über ...

Das Thema Traumberuf

„Ich persönlich brauche einen Sinn in dem, was ich tue. Daher ist es mir persönlich wichtig, meinen Traumjob zu leben. Ich denke, ich bin auch auf dem Weg dahin. Es kann aber auch andere Werte und Wege geben. Wenn der Fokus auf dem Finanziellen liegt, kann die Suche nach dem erfüllenden Traumjob vielleicht in den Hintergrund geraten – je nachdem was einem individuell wichtig ist.“

Was denkst du ...

Sollte man wissen, wo man in 10 Jahren stehen möchte?

„Ich glaube, dass es wichtig ist, Ziele zu haben. Bei mir ist es so, dass sich meine Vorstellung von meiner beruflichen Zukunft in den letzten Jahren gewandelt hat. Als ich in den Beruf gestartet bin, hatte ich eine sehr viel klarere Vorstellung von meiner Zukunft. Das war auch gut zu dem Zeitpunkt, denn dadurch konnte ich mich orientieren und erste Schritte einleiten. Ich glaube nicht, dass man einen festen Plan braucht, eher ein grobes Konzept.“

"Ich habe mich schon immer in der Fotografie verloren. Das Ästhetische spielt eine riesige Rolle für mich. Aber der Hauptfaktor, der mich begeistert, ist die Arbeit mit Menschen."
Amelie

Fotografin

Der Job

Wie wird man Fotografin?

Um Fotografin zu werden, kann man – wie Amelie – eine dreijährige Ausbildung machen. Dabei durchläuft man blockweise theoretischen Unterricht in der Berufsschule mit Fächern wie Fototheorie oder Studiofotografie und sehr viel Praxisprojekten. Nebenbei arbeitet man außerdem in einem Betrieb. Außerdem ist es möglich, an Fach- und Kunsthochschulen sowie Akademien Fotografie zu studieren. Auch ein Quereinsteiger-Ansatz ist möglich, erfordert aber besonders viel Disziplin und Durchhaltevermögen. 

Wie sind die Verdienstmöglichkeiten?

Das hängt sehr davon ab, in welchem Bereich man sich wiederfindet. Man kann in einem angestellten Verhältnis arbeiten oder als selbständige Fotografin. Als Selbstständige ist es schwieriger, sich allein durch Aufträge wie Babybauch- oder Familienshootings über Wasser zu halten. Mehr Möglichkeiten bietet eine Spezialisierung in einer Nische wie die Hochzeitsfotografie oder in der Wirtschaft. Generell gilt: Wenn man sich einen Namen gemacht hat, kann man gut davon leben.  

Welche Stressoren bringt Dein Beruf mit sich?

  • Flexibilität: Man muss sich nach den Terminen der Menschen richten und als Hochzeitsfotografin auch an den Wochenenden zur Verfügung stehen. 
  • Körperliche Anstrengung: Fotografie ist ein Handwerk. Man hält die schwere Kamera, bewegt sich viel, geht in die Hocke. Man steht viel. Wenn man sich körperlich mal nicht fit fühlt, kann das schon herausfordernd sein. 
  • Man muss punktgenau abliefern können. Denn da es gerade in der Hochzeitsfotografie um das Einfangen von Momenten geht, die einmalig und nicht wiederholbar sind, hat man oft nur eine Chance, das Bild zu bekommen. Das ist herausfordernd und kann einen gewissen Druck erzeugen.

Welche Glücksmomente gibt es?

Der schönste Glücksmoment ist es für mich, wenn Menschen, die sonst nicht viel vor der Kamera stehen, sich vor meiner Kamera wohlfühlen, sich ein guter Flow ergibt und dann dieser Moment entsteht, wenn alles passt. Wenn ich diesen Augenblick einfangen kann, bin ich einfach nur glücklich. Das schönste Kompliment ist dann, dass sie sich selbst unter Umständen noch nie so schön auf Fotos gesehen haben. 

Welche Eigenschaften sollte man als Fotografin haben?

  • Technisches Fachwissen
  • Kreativität
  • Blick für Ästhetik
  • Perfektionsdrang
  • Freundlichkeit im Umgang mit Kunde*innen

In der Personenfotografie speziell:

  • Offenheit und Kommunikationsfähigkeit
  • Motivationstalent. Man sollte aus sich heraus kommen können.

Denkanstöße

Amelies Weg zeigt, wie der Traum vom „Hobby zum Beruf“ funktionieren kann. In diesem Zusammenhang betont Amelie aber auch die Wichtigkeit, trotz der Freude an der Arbeit sich selbst nicht zu vergessen. Denn gerade, wenn man das Hobby zum Beruf macht, besteht die Gefahr, sich selbst zu verausgaben und wenig Grenzen zu setzen. Mit den Jahren hat Amelie gelernt, sich selbst und ihre Ressourcen besser einschätzen zu können, und sich zum Beispiel nach einem Shooting-Wochenende einen freien Tag zu gönnen.

Inspirierend an Amelies Beispiel fand ich vor allem den Mut, den sie bewiesen hat, als sie sich gegen die Sicherheit, die der Lehrerberuf versprochen hätte, entschieden hat. Gerade weil sie zu diesem Zeitpunkt schon mehrere Jahre Studium hinter sich hatte, erforderte ein solcher Neustart umso mehr Mut. Menschen neigen nämlich dazu, in einer solchen Situation ein Verhalten namens „eskalierendes Commitment“ zu zeigen, welches die Tendenz beschreibt, sich gegenüber einer in der Vergangenheit getroffenen Entscheidung so verpflichtet zu fühlen, dass man diesen Weg durchzieht, auch wenn er sich schlecht anfühlt. Amelie hat sich dieser Tendenz nicht hingegeben und diese Entscheidung bewertet sie nun – fünf Jahre später – als richtig.

Alles in allem zeigt Amelies Beispiel auch, wie wichtig es ist, Hobbies zu pflegen und zu entwickeln und auch in dem Bereich Dinge zu wagen. Denn so ermöglicht man es, dass ein Schritt dem nächsten folgt und am Ende vielleicht aus dem Hobby die Berufung wird.  

Social media

Hier erfährst Du mehr über Amelie!

Kennst Du schon das Interview mit der Sängerin und Songwriterin TONIA? Ähnlich wie Amelie hat TONIA ihr Hobby zum Beruf gemacht und berichtet über die Herausforderungen dieser Entscheidung. 

close

DU WILLST MEHR?

DER NEWSLETTER INFORMIERT DICH ÜBER NEUE WISSENSCHAFTLICHE ERKENNTNISSE RUND UM DAS THEMA PSYCHOLOGIE. LERN DICH UND ANDERE BESSER KENNEN!

Hier gibt es keinen Spam! Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung.

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.