Interview

Die angehende Ärztin und Lifestyle-Mentorin

Im Interview

Die angehende Ärztin und Lifestyle-Mentorin

Annabels Erfahrungen aus dem Medizinstudium mit Erweiterung Integrativmedizin und warum die Balance unterschiedlicher Lebensbereiche so wichtig ist

Über Annabel

Der Wunsch, Medizin zu studieren war schon immer da. Im ersten Schritt studierte die gebürtige Hamburgerin jedoch Sport- und Ernährungswissenschaften an der Universität Hamburg. Immer wieder kam die Frage auf, wie sie ihre drei Leidenschaften – Sport, Ernährung und Medizin – miteinander verbinden kann. Sie begeisterte vor Allem die Möglichkeit, bereits vor notwendig gewordenen medizinischen Reparaturmaßnahmen zu handeln und die Menschen präventivmedizinisch zu behandeln.

Während des Sportstudiums begann Annabel, Bekannte zu Ernährungsthemen zu beraten und ist seitdem als Ernährungs- und Lifestyle-Mentorin tätig. Dabei geht es ihr darum, Menschen dabei zu unterstützen, einen individuell stimmigen Lebensstil zu finden, der ihnen langfristig auf körperlicher und mentaler Ebene zu Wohlbefinden und Gesundheit verhilft. 

Schließlich wurde sie  auf einen in Deutschland eher seltenen Modellstudiengang aufmerksam: An der Universität Witten/Herdecke begann sie, Humanmedizin und zusätzlich das Begleitstudium „Integrative Medizin“ zu studieren. Aktuell befindet die angehende Ärztin sich im klinischen Abschnitt nach dem Physikum – der ärztlichen Zwischenprüfung. 

reingezoomt

Ein Arbeitstag

Jeder Tag sieht ein wenig anders aus, je nachdem ob ich im Praktikum in der Klinik bin oder Vorlesungen habe.

Mein Tag beginnt meist früh (zwischen 5 und 6 Uhr), da ich den Morgen liebe und mir dann gern Zeit für eine kurze Meditation, Bewegung und Tagesstruktur nehme. 

Was mir persönlich morgens ansonsten gut tut ist es den Körper mit Flüssigkeit zu versorgen (warmes Zitronenwasser). Wenn sich dann irgendwann mein Magen meldet, gibts oft eine Smoothiebowl (gern mit viel Grün). Ich mag die Frische, den Energiekick und Geeschmack einfach total gern. 

Über den Tag verteilt habe ich dann entweder Unterricht in einer Klinik, oder Vorlesungen (letzteres aktuell aus dem Homeoffice). 

Klient*innen betreue ich in freien Zeiten, oder auch am Wochenende. 

Der restliche Abend ist flexibel gehalten und besteht aus Zeit mit meinem Partner, Freunden, Sport, noch etwas Lernzeit oder Coachinggesprächen. Je nachdem was gerade so ansteht. 

Mein Ziel ist es gerade in diesen bunten Alltag ein wenig mehr Regelmäßigkeit zu bringen und etwas früher schlafen zu gehen. 

"Erfolg bedeutet für mich, jeden Tag eine Balance zwischen unterschiedlichen Lebensbereichen herstellen zu können und in diesen Bereichen kleine Fortschritte zu machen."

Annabel

Was denkst du über...

Work-Life-Balance

Den Begriff finde ich etwas schwierig, da er impliziert, dass man nur dann lebt, wenn man nicht arbeitet. Ich würde schon sagen, dass man eine Balance in jedem Lebensbereich herstellen sollte. Aber die Arbeit ist mehr als eine tägliche Pflichtübung,  wonach das richtige Leben erst beginnt.

Was denkst du über...

Das Thema "Traumberuf"

Es ist auch völlig ok, wenn man einen Beruf zum Geldverdienen ausübt. Aber man sollte für sich reflektieren, wie wichtig es einem ist, dass der Beruf einen maximal erfüllt. Muss mein Beruf mich definieren? Will ich viel Herzblut und Arbeit hineinstecken? Ist das nicht der Fall und ich habe andere Prioritäten (z. B. Familie), dann ist das auch in Ordnung. Die eigenen Prioritäten sollten einem klar sein. Und es ist auch wichtig, immer wieder zu reflektieren: Ist es noch das, was ich machen möchte? Außerdem glaube ich, dass man nicht den einen Traumberuf hat.

Was denkst du...

Sollte man wissen, wo man in 10 Jahren stehen möchte?

Früher habe ich mir einen 10-Jahresplan gemacht, aber das funktionierte nicht so gut, da man meiner Erfahrung nach das Leben nicht bis in das kleinste Detail planen kann. Viel entspannter und sinnvoller ist eine grobe Struktur, die man dann im Prozess immer wieder reflektiert und anpasst. Man sollte keine Angst davor haben, das immer wieder zu verändern.

" Ich habe gelernt und lerne weiterhin, dass Perfektion nicht die Voraussetzung für Wohlbefinden ist, sondern ein „ich gebe mein Bestes“ gut genug ist."

Annabel

Berufsprofil Arzt / Ärztin

Der Job

Welche Stressoren bringt Dein Beruf mit sich?

Als Arzt/Ärztin wird von einem implizit erwartet, die eigenen Bedürfnisse eher zu ignorieren. Es ist oft zu wenig Zeit da, in angemessenem Rahmen Pause zu machen, die Toilette aufzusuchen oder etwas zu trinken. Das hat damit zu tun, dass man oftmals mehr Menschen versorgen muss als man schaffen kann. Dann hat man die Wahl ob man seine Pausenzeit opfert oder ob man die Kolleg*innen in der nächsten Schicht mit Arbeit überfrachtet. Gerade in der älteren Generation ist der Solidaritätsgedanke unter Ärzte*innen sehr groß. Natürlich haben die Patient*innen aber von unausgeruhten Ärzte*innen weniger. Ich habe das Glück, dass man dieses Problem in meinen bisherigen Erfahrungen sehr gut ansprechen kann. Außerdem kann es herausfordernd sein, wenn Patient*innen von Ärzte*innen erwarten, allwissend zu sein. Viele Kranke haben gelernt, dass ihr Körper von außen repariert werden muss, und gehen mit dieser Einstellung zum Arzt /zur Ärztin. Dass der Heilungsprozess auch Eigenverantwortung beinhaltet, ist noch nicht in allen Köpfen angekommen.

Welche Glücksmomente gibt es?

Von den Patient*innen und Klient*innen wird mir unglaublich viel zurückgegeben. Das Gefühl, einen positiven Unterschied im Leben eines Menschen gemacht zu haben, treibt mich an.

Welche Eigenschaften sollte man haben?

  • Empathie
  • Belastbarkeit
  • Kommunikationsfähigkeit.
  • Selbstsicherheit, da sich Unsicherheit auf den Patienten überträgt.
  • Eine gute Intuition, denn Patienten sind nie Lehrbuchfälle. 

Denkanstöße

Annabel ist für mich eine inspirierende Gesprächspartnerin gewesen, weil sich durch alles, was sie gesagt hat, ein großer Wille zur Reflexion zieht. Folgende Denkanstöße und Lektionen habe ich für mich mitgenommen. Du vielleicht auch?

    1. Es geht nicht darum, immer in Balance zu sein, sondern immer wieder in Balance zu kommen. 
    2. In den Medien propagierte Gesundheitstipps (z. B. Intervallfasten) sollte man nicht blind nachmachen, sondern auf die Kompatibilität mit dem eigenen Rhythmus und den eigenen Bedürfnissen überprüfen.
    3. Man sollte seine Prioritäten im Leben definieren, bevor man versucht, beruflich durchzustarten. Vielleicht sind einem andere Dinge viel wichtiger. 
    4. Für viele Menschen gibt es mehrere Traumberufe. 
    5. Wenn man sich nicht auf eine Sache festlegen möchte, muss man das nicht. Eventuell kommt später die Möglichkeit, unterschiedliche Interessen zu verbinden. 

Social media

Hier erfährst Du mehr über Annabel Julia Gleine.

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